Wort zum Neuen Jahr

„Ruach“ von Gesa Liersch; Standort: Marktkirche Goslar

Das Kunstwerk in mir

„Es steckt alles schon drin!“ Das sagen HolzbildhauerInnen gern, wenn ihre Werke bewundert werden. „Im Stamm ist schon alles drin. Man muss nur das Überflüssige wegschnitzen!“ Das klingt einfach, ist es aber nicht. Wer nicht weiß, worauf es ankommt, wird alles Mögliche zustande bringen, nur kein „Kunstwerk“. Das gilt auch für unser Leben insgesamt. Man spricht ja von „Lebenskunst“. Und auch da kommt es darauf an, das Überflüssige wegzunehmen, um das Wesentliche hervortreten zu lassen. Genau daran erinnern uns das Weihnachtsfest und der Jahreswechsel! Gerade in dieser Zeit kann das gelingen: ein Gespür dafür zu entwickeln, was ich wirklich brauche. Und das Glück zu empfinden, Überflüssiges beiseite lassen zu können. Viele haben das vor einigen Tagen erlebt bei dem Lied „Stille Nacht, heilige Nacht!“ Alles, was das Leben gerade noch schwer gemacht hatte, schien verschwunden zu sein, mindestens für einen Moment. „Christ, der Retter ist da“, das war in diesem Augenblick keine antiquierte Floskel. Es ist die – tief im Herzen – ersehnte Zusage an mich ganz persönlich. Es ist die „rettende Stund´“. Da dürfen wir uns so spüren, wie wir gedacht sind: als mit einer empfindsamen Seele ausgestattete Wesen. „Ebenbilder Gottes“ nennt das die Bibel. Kunstwerke eben, auch dann schon, wenn noch viel Überflüssiges das verdeckt.

Zum Neuen Jahr

 

In der Seele tief berührt

hat mich das Weihnachtsfest,

und mich erneut dorthin geführt,

wo Glück sich spüren lässt.

Ich hab´ das Kind in mir gefunden,

Gemüt und Zärtlichkeit,

es gab so stimmungsvolle Stunden

in dieser ganz besond´ren Zeit.

So will ich nun im Neuen Jahr

viel besser auf mich achten,

will das, was nahe bei mir war,

nicht zu verlieren trachten.

Im Dunklen schon das Helle seh´n,

das Große schon im Kleinen,

durch Leid mit Hoffnungskräften geh´n

mit Glauben durch das Weinen.

Und eins noch, Gott, versprech´ ich Dir,

ich will Dir täglich danken;

die Zeit dafür, die geb´ ich mir:

mein Vorsatz soll nicht wanken.

Helmut Liersch

Sensationeller Fund

Nach genau 500 Jahren: Fund eines bisher unbekannten Werbeplakates in der Marktkirchen-Bibliothek Goslar!

Symbol der Wirkung von Luthers 95 Thesen im Jahre 1517: Ablasswerbung des Erzbischofs wird zu Altpapier!

 

Über 200 Bände der Bibliothek des Priesters Andreas Gronewalt in Halberstadt kamen 1535 nach Goslar als Grundausstattung für die reformatorische Marktkirchen-Bibliothek. Diese wurde in den vergangenen vier Jahren von dem Reutlinger Reformationshistoriker Prof. Ulrich Bubenheimer und von dem Beauftragten für die Marktkirchen-Bibliothek Propst i.R. Helmut Liersch gemeinsam erforscht. Gronewalt hatte als Notar auch für Erzbischof Albrecht von Brandenburg gearbeitet. Das war in Halle, wo sich Albrechts Lieblingsresidenz befand. In der Zeit Luthers war er Erzbischof von Magdeburg und von Mainz sowie Bischof von Halberstadt. Gronewalt hatte ein nicht mehr benötigtes Ablassplakat seinem Buchbinder in Halberstadt gegeben. Der zerschnitt den Plakatdruck in mehrere Teile und verwendete diese bei der Herstellung von zwei Bucheinbänden. Nach 500 Jahren wurden diese nun entdeckt und in ihrer Bedeutung für die Reformationsgeschichte erkannt.

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Mach´s wie Gott, werde Mensch!

Das macht ja nicht jeder: Sein prachtvolles Haus aufgeben und eine Familie aus Eriträa einziehen lassen. Franz Kamphaus war so einer, 1982 bis 2007 Bischof von Limburg. Er überließ das bischöfliche Anwesen Flüchtlingen und bezog eine kleine Wohnung im Priesterseminar. So ähnlich hat es später Papst Franziskus gemacht. Auch die Sache mit dem Dienstwagen hat Kamphaus vorexerziert: die bischöfliche Limousine bestieg er äußerst ungern. Der Nachfolger von Kamphaus in Limburg war Franz-Peter Tebartz-van Elst…, man erinnert sich…

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Gewissensentscheidungen

Gewissensentscheidungen –

Eberhard Weidensee und Andreas Gronewalt 

Es waren die marketing-Experten in Wittenberg. Genauer: die Leute in Luthers Druckerei Rhau-Grunenberg. 19. April 1521. Kaum war bekannt geworden: Luther hat vor dem Kaiser nicht widerrufen! – da gingen sie an die Arbeit. Sensation! Mit einer eilig produzierten Flugschrift brachten sie einen vierteiligen Schlusssatz Luthers unter das Volk. Der wird seitdem von Generation zu Generation weitergegeben, elf Wörter: „Ich kann nicht anders / hier stehe ich / Gott helfe mir / Amen“.

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Weihnachten 2017

Liebe Gemeinde,

der Tag von Adam und Eva. Ja, Sie haben richtig gehört, ihr habt richtig gehört! Der Tag – des Menschen! Es gibt eine Stelle in dieser Welt, da wird das ganz deutlich. Voriges Jahr haben wir uns eine Reise dorthin gegönnt, meine Frau und ich. Zu meinem 70. Geburtstag. Jerusalem! Grabeskirche. Man betritt sie durch einen Seiteneingang. Rechts führt eine Treppe hinauf zu den beiden Kapellen auf Golgatha. Golgatha: Schädelstätte.

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Landesbischof Gerhard Heintze

Helmut Liersch

Biographische und theologische Schnittstellen

Jedes Mal, wenn ich von Goslar über Wehre nach Braunschweig fahre, kommt er mir in den Sinn. In dem kleinen Vorharz-Dorf wurde er vor 100 Jahren geboren, lebte dort bis 1917: Gerhard Heintze. Mir steht jener äußerlich fast bieder daher kommende Mann vor Augen, der im Umgang auf mich als Teil der 68-Generation etwas altbacken und in seiner Sprache umständlich wirkte: „Landesbischof Gerhard Heintze“ weiterlesen

1.Mose 8,20-22

Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. 1.Mose 8,20-22 „1.Mose 8,20-22“ weiterlesen