Neujahrswünsche an den Kaiser

In Goslar steht ein Kaiserhaus,

Da schaut der greise Kaiser raus.

Er starrt nach Osten unverwandt,

Wo einstmals seine Kirche stand.

Er reibt die Augen, ihm wird bange:

Denn was er sieht: nur eine Stange!

Und dann noch: irgendwie ein Kreis,

Von dessen Sinn hier niemand weiß.

 

„Was habt ihr nur daraus gemacht?!

Ich ließ mein Herz hier einst bestatten,

Wo Papst und Kaiser Frieden hatten…

Habt ihr das alles wohl bedacht?“

 

Ein Kirchenbau in Goslar stand,

Erneut will man den jetzt versenken.

O Kaiser, nimm sie bei der Hand,

Dass sie der Stadt was Bess´res schenken!

HL

 

Abbildung: Harzer Panorama / Kaspert

 

Geburtsvorbereitung

Phantastisch! Fast alle freuen sich über die Schwangerschaft und auf das Kind. Nachbarn und Freunde sind auf der Suche nach Geschenken, die Häuser sind geschmückt, im Zentrum der Stadt werden allerlei Köstlichkeiten angeboten. In zwei Wochen ist es so weit, das Kind kommt zur Welt. Und alle sollen spüren: Wir freuen uns über das Neugeborene. Natürlich ist diese Art der Geburtsvorbereitung nicht alltäglich. Bei normalen Schwangerschaften geht es weniger aufwändig zu. Nachbarinnen und Freunde kaufen vielleicht einen Strampelanzug oder kleine Söckchen, mehr ist nicht. Und man wartet erst ab, ob alles klappt. Gratuliert wird auf keinen Fall vor der Zeit, geschenkt auch nicht.

Bei der Schwangerschaft der Maria handelt es sich um eine Ausnahme. Wir kommen früher in Gang – mit Recht. Wir wissen schon jetzt: es wird alles gut gehen. Das Kind wird wachsen und gedeihen, frohe Nachricht von Gott bringen, heilen und für uns eine große Bedeutung haben, sterben und auferstehen. Einmalig bislang! Kein Wunder, dass wir uns darauf intensiv vorbereiten. Überall Licht und Glanz, Vorfreude.

Gestatten Sie mir, liebe Leserin, lieber Leser, aber diesen Hinweis: die Vorbereitung kann auch zu laut und vielfältig werden. Sie können in Stress geraten, ja, es droht, dass für den Original-Inhalt des Festes gar kein Raum mehr bleibt. Das wäre schade! Sie sollen ja ein Geschenk bekommen. Dazu brauchen Sie Besinnung und Innehalten. Die sind möglich: bei Gesprächen auf dem Adventstsmarkt, beim lebendigen Adventskalender, in den Kirchen. Übrigens: der Geburtstermin steht bereits eindeutig fest: es ist der 25. Dezember!

Nikolaus aktuell

Gedanken zum 6. Dezember

Wappen von Melverode (Braunschweig): Nikolaussymbole Schiff und Goldkugeln

„Es lebten ein armer Mann und seine drei Töchter. Sie hatten alle Hunger und es gab weder für den Vater noch für die Mädchen Arbeit“. So fängt eine der Geschichten vom Nikolaus an. Bekanntlich geht sie so weiter, dass Nikolaus den Mädchen hilft, indem er Geldbeutel durch die Fensteröffnung wirft. Er selber bleibt unerkannt. Die Geschichte wirkt nicht wie über anderthalb Jahrtausende alt. Sie klingt modern. „Das größte Armuts-Risiko: alleinerziehend, drei Kinder“, so titelte kürzlich eine Zeitung. Erschreckend! Armes Deutschland! Was hast du getan mit deinem „Wirtschaftswunder“ und deinem Jahrzehnte währenden Reichtum?

Nikolaus ist keine Märchenfigur. Er ist ein Christ, der im 4. Jahrhundert gelebt hat, ein Zeitgenosse Konstantins des Großen. Als Christ hatte er ein Menschenbild, das von der Bibel her geprägt war. Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes. Jeder! Das gilt unabhängig davon, was eine Person geleistet hat, wie gesund oder krank er oder sie ist, welcher Hautfarbe oder welcher sozialen Herkunft. Für eine Gesellschaft, die sich ihrer christlichen Wurzeln bewusst bleibt, hat das Folgen. Sie hat dafür zu sorgen, dass jeder Mensch in Würde leben kann. In vielen – für uns fernen – Ländern war das leider nie der Fall. Jetzt kommen viele aus dem Elend zu uns. Wegschauen hilft nicht. Gut, dass es hier und da „Nikoläuse“ gibt, die helfen. Das wird aber nicht reichen. Unsere Gesellschaft muss umdenken, Politiker müssen aufhören, ihre jeweilige Lobby zu bedienen. Ob sie die Kraft dazu haben? Ob die christlichen Quellen noch sprudeln, aus denen einst ein Nikolaus geschöpft hat?

 

Eine kurze Geschichte der Goslarer Reformation

Ein Beitrag zum Reformationstag

Goslar zählt zu den traditionsreichsten Städten Norddeutschlands. Die monumentale Kaiserpfalz zeugt von der historischen Bedeutung. Goslar war Mitglied der Hanse und erhielt 1290 den Status einer „Freien Reichsstadt“. Die mittelalterliche Altstadt ist bis heute weitgehend erhalten. Sie zählt mit dem Bergwerk Rammelsberg und der Oberharzer Wasserwirtschaft zum UNESCO-Weltkulturerbe. „Eine kurze Geschichte der Goslarer Reformation“ weiterlesen

150 Jahre Braunschweigische Landessynode

Vor 24 Jahren:

Auf dem Weg zu Reformen in der Landeskirche 

– Einführung in das Gesamtthema –

Herr Präsident, liebe Mitsynodale, meine Damen und Herren!

  1. Wir haben in diesen Tagen etwas sehr Wichtiges vor! Gemeinsam wollen wir uns bemühen, Reformen in Gang zu bringen. Anlaß dazu gibt es genug. Das Ansehen der Kirche in der Öffentlichkeit schwindet merklich. Die Mitgliedschaft in der Kirche wird zunehmend zur Disposition gestellt. Die Kirche ist in Konkurrenz geraten zu anderen Anbietern von Wertorientierung und zu anderen finanziellen Prioritäten. Wir stehen also unter einem erheblichen Druck von außen.

Die Impulse zur Reform kommen aber auch von innen heraus. Wo stehen wir? Wo gehören wir hin? Wie nehmen wir unsere Weltverantwortung wahr? Wie gehen wir mit Unzufriedenheit und Resignation in den eigenen Reihen um? Diesen Fragen müssen und wollen wir uns stellen. „150 Jahre Braunschweigische Landessynode“ weiterlesen

Absolutes Vertrauen

 

Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis (18. August 2019)

Von vorn anfangen dürfen! Das Leben vor sich haben! Wissen, wozu man da ist! Etwas Schöneres kann es nicht geben. Einen Schlussstrich ziehen unter alles, was vorher war. Sich nicht mehr festlegen lassen auf das, was misslungen ist. Ballast abwerfen.

Ein Traum? Paulus hat ihn erlebt.

„Absolutes Vertrauen“ weiterlesen

Abschotten

Es ist eine Menge los, weltweit! Fluten, Kriege, Hitze, durchgedrehte Politiker. Wer das alles gleichzeitig an sich ranlässt, bekommt selber ein Problem. Wenn sich zu vieles in meinem Kopf und in meiner Seele vermengt, wird daraus ein gefährliches Gemisch. Die Folge kann sein: Ich werde bitter, aggressiv, zynisch, depressiv – je nach persönlicher Veranlagung.

Die Seefahrt löst das so: In den riesigen Frachtschiffen werden zwar verschiedenste Waren transportiert, auch Flüssigkeiten. Damit die aber bei Wellengang nicht alle zusammenschwappen, wird abgeschottet. Schwere Stahlwände trennen den Laderaum in Kammern auf. Alles hat seinen Platz. Ob es so gehen könnte?

Nicht ständig alles an sich ranlassen. „Abschotten“ in der eigenen Seele. Nicht verdrängen oder verleugnen. Aber den „Platz anweisen“. Damit ich nicht „überschwappe“. Die erste Kammer bleibt am besten ganz frei und  geöffnet. Sie soll sich täglich füllen mit guten Gedanken, Gottes Geistkraft, Gebet, Hoffnung.

Ethisches Experiment

Zum 4. Sonntag nach Trinitatis, 14. Juli 2019

Predigt über Lukas 6, 36-42

  • seid barmherzig
  • richtet nicht
  • verdammt nicht
  • vergebt

So heißt es im Lukasevangelium. Es sind Worte Jesu. Wenn das ein Außenstehender hört, fühlt er sich bestätigt: Ja, ja, wir sollen anständige Leute sein, ist ja irgendwie immer dasselbe, was die da in der Kirche erzählen. Sei ein guter Mensch, Nächstenliebe und so… Das weiß ich auch so; um das zu hören, „muss ich nicht in die Kirche rennen…“. Ja, so ist es! Wenn es nur das wäre, hätten wir als Kirche wenig zu bieten. Lebensweisheiten gibt es heute an allen Ecken und Enden zu lesen; in den Buchhandlungen gibt es ganze Abteilungen: Weisheitsliteratur, selbst im Supermarkt. Wie man leben soll, was man tun und lassen soll, damit es einem gut geht – das ist tausendfach gesagt und gedruckt – auch gepredigt. Der Neuigkeitswert ist gering.

Wer in den Gottesdienst kommt erwartet mehr, zu Recht! Was ist denn eigentlich „das Andere“ am christlichen Glauben? Worin unterscheiden wir uns denn in der Ethik, im Verhalten – tun wir’s überhaupt? „Ethisches Experiment“ weiterlesen

Hohes Lob für Buch über die Marktkirchen-Bibliothek

Als ein Werk auf „wissenschaftlich hohem Niveau“ wertet das digitale Rezensionsorgan IFB das Buch über die Marktkirchen-Bibliothek Goslar. Es erschien 2017 im Verlag Schnell und Steiner. „Anschaulich und wissenschaftlich fundiert“ würden Erkenntnisse der frühen Reformationsgeschichte an eine breite Öffentlichkeit vermittelt. Herausgeber und Verlag hätten ein „großartiges und ästhetisch ansprechendes Buch“ geschaffen, „ein Muß für jeden, der an der Buchgeschichte der frühen Reformationszeit interessiert ist“. Zur Rezension!

Klick ins Buch: https://www.schnell-und-steiner.de/artikel_9002.ahtml

Goslarer „Dom“ soll auferstehen…

Samstag, 1. Juni 2019

Kirchliche Sorgen um den Domplatz

Auferstandener Dom beim Welterbetag 2007: Die Idee stammte von Thomas Moritz. Das Bild zeigt das gerade beendete „Memorial“ für den Goslarer Dom, aufgeführt von Jugendlichen der Stephani-Gemeinde unter Leitung von Imogen Liersch.                                                                                      Archivfoto: Moritz

 

Bitte nicht mit Bäumen und Büschen, sondern mit Steinen die Umrisse der früheren Bauten andeuten. Und eher eine Fläche für Fußgänger als eine Gartenanlage schaffen. Helmut Liersch und Günter Piegsa sprechen aus, was sie umtreibt. Mit großer Sorge haben sich der frühere Propst und der Vertreter der katholischen Kirche in der Pfalzquartier-Lenkungsgruppe jetzt zu den Planungen für den Domplatz zu Wort gemeldet.

„Goslarer „Dom“ soll auferstehen…“ weiterlesen