Vortrag in Wittenberg am 12. Februar

Neues aus Luthers Grab
Dienstag, 12. Februar 2019, 18:30 Uhr
Kapelle im Augusteum | Wittenberg
Vortrag anlässlich von Luthers Todestag 1546

Der Kaiser hatte es ausdrücklich verboten, dennoch war es passiert! Als am 31. Oktober 1892 die Schloßkirche feierlich eingeweiht wurde, kannten nur zwei Personen das Geheimnis: Der Königliche Regierungsbaumeister Groth hatte der Versuchung nicht widerstehen können. Mit seinem Maurerpolier Römhild hatte er nach Luthers Grab gesucht. Das war am 14. Februar 1892. Erst nach und nach kam die Wahrheit über dieses Delikt heraus. Besonders lange wurde verschwiegen, dass man auch Gegenstände entnommen hatte. 1913 tauchte der Griff von Luthers Sarg auf. Aber – wie sich kürzlich herausstellte – es gab noch mehr.

Der Goslarer Theologe und Ex-Propst Helmut Liersch berichtet anhand von neu aufgefundenen Dokumenten und zahlreichen Abbildungen über einen archäologischen „Krimi“. Gemeinsam mit Pfarrer i.R. Martin Quandt, dem Urenkel des damals beteiligten Seminardirektors Emil Quandt wird er die Funde aus Luthers Grab der Stiftung übergeben.

1518: Jetzt geht´s erst richtig los!

In Goslar herrscht die Ruhe vor dem Sturm

Schon wieder das Thema Reformation? Schon wieder Martin Luther? Das hatten wir doch im vergangenen Jahr bis zum Abwinken! Kann man so sehen… Was aber nicht zu leugnen ist: Die kommenden Jahre bringen ein wichtiges 500. Jubiläum nach dem anderen – und zunehmend hat das mit Goslar zu tun. Reformation ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess. Schon gut zehn Jahre nach Luthers Thesen setzt sich die Reformation in der Kaiserstadt weitgehend durch: 1528.

Zwei der frühesten Flugschriften überhaupt sind derzeit in der Marktkirche Goslar ausgestellt. 1518 lieferten sich Luther und Tetzel eine öffentliche Auseinandersetzung.

Ausgangspunkt war bekanntlich der 31. Oktober 1517 in Wittenberg. Martin Luther, der Professor in der Mönchskutte, hatte kurze Sätze in lateinischer Sprache verfasst und damit die Gelehrten zur Diskussion aufgefordert. Es ging um ein theologisches Spezialthema: Welche Wirkung haben die sogenannten „Ablässe“? Unter den Gläubigen jener Zeit war der Eindruck erweckt worden, damit würden die Sünden erlassen. Das war – auch gemäß der offiziellen Auffassung – keineswegs der Fall. Lediglich die von einem Beichtvater auferlegten Strafen konnten damit vermieden werden.

Die Gelehrten und die geistliche Obrigkeit ließen sich durch Luthers Vorstoß nicht zur Debatte locken. Statt dessen wurde er zu seiner Verwunderung in Rom angeschwärzt. „1518: Jetzt geht´s erst richtig los!“ weiterlesen

Das Wesentliche!

Am 31. Oktober ist Reformationstag

„Ecclesia semper reformanda“! – Die Kirche muss ständig erneuert werden. Da sind sich viele einig! Und der Apostel Paulus sagt im 1. Thessalonicher: „Prüft aber alles und das Gute behaltet“: auch hier: großer Konsens! Oder?

Erneuern, das Gute behalten… Das sagt sich leicht hin. Jede und jeder stimmt zu: Klar doch, ist wichtig. Nur: wenn man genau hinschaut: Jede und jeder versteht was anderes darunter! „Das Gute“ – das kann alles Mögliche sein. Für den einen ist eine Sahnetorte was Gutes. Für die andere ein 40-tägiges Fasten… Und „erneuern“?! Auch da versteht jeder was anderes drunter: Das Alte weg… – so sehen es die Einen. Zurück zum Ursprung / das Neue weg – so legen es die anderen aus. „Das Wesentliche!“ weiterlesen

Goslar – eine Stadt der Reformation!

Ein Beitrag zum Reformationstag

Goslar, Bergstrasse 53

Was genau macht eigentlich Goslar zu einem zentralen Ort der Reformation? Da ist zum einen die Altstadt selber. Die Kirchengebäude und Kapellen standen – mit Ausnahme der nach dem Brand von 1728 neu errichteten Stephanikirche – bereits vor 500 Jahren an ihrem Ort. Zahlreiche Gebäude, die bereits damals das Stadtbild prägten, blieben erhalten, das Rathaus genauso wie die Kaiserpfalz und bis heute eindrucksvolle Teile der Stadtbefestigung mit dem Breiten Tor und dem Zwinger von 1517. Es gibt sehr frühe Indizien reformatorischer Regungen im Umfeld der Jakobi-Gemeinde. In den frühen 1520-er-Jahren predigten dort Kapläne im Sinne Luthers. Weil das vom Rat und vom zuständigen Pfarrer nicht gelitten war, zog man vor die Stadtmauern auf den Lindenplan. Goslarer, die sich dort sammelten, nannte man die „Lindenbrüder“. Einer dieser frühen Prediger wurde überaus bedeutend für die Verbreitung von Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testamentes von 1522. Theodor Smedeken übertrug es 1523 ins Niederdeutsche. Erst das machte die Sprache Luthers für den norddeutschen Raum verstehbar. „Goslar – eine Stadt der Reformation!“ weiterlesen

Engel!?

Zum Michaelistag

Hebräer 1, 7.13f und Offenbarung 12, 7-12a

Ich kenne den Namen unseres Briefträgers nicht! Habe nie danach gefragt! Nicht, dass er mir egal wäre! Im Gegenteil: Ich warte manchmal ungeduldig auf ihn und hoffe, dass er bald kommt. Besser gesagt: Ich warte auf das, was er bringt. Briefe, Karten, Päckchen, Geschenke… Manchmal ist das einfach so da: Im Briefkasten, auf der Flurtreppe – ohne, dass ich den Boten gesehen habe. Manchmal begegne ich ihm, am Gartentor, im Hausflur, vor der Wohnungstür: Ich kann gar nicht genau sagen, wie er aussieht. Ich schaue ihm meist nicht ins Gesicht. Ich schaue auf seine Hände: Was er mir bringt – und ich kann es gar nicht abwarten, die Post aufzumachen und die zu lesen. Eines weiß ich aber schon vorher: Die Nachricht stammt nicht vom Postboten. Er überbringt sie nur. Darum ist er für mich wichtig. Aber letztlich: Er vollbringt lediglich eine Dienstleistung für den Absender.

Verstanden? Okay! Das war er, der „Grundkurs Engel“! Wir wissen jetzt, was es mit den Engeln auf sich hat. Ein Engel ist ein Bote. Er handelt ausschließlich im Auftrag Gottes. Und seine Botschaft ist immer etwas, das Gott uns mitteilen will. Und so, wie ich meinen Postboten nicht mit Namen kenne, so kennen wir auch nur wenige Engel mit Namen: Raphael, Gabriel, Michael… Meist aber sind sie namenlos, oder ganze Heerscharen – so wie in der Weihnachtsgeschichte: Alsbald aber war da die Menge der himmlischen Heerscharen. Und was brachten die für eine Botschaft? Klar! „Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren!“ Eindeutige Sache: Das haben sie sich nicht selber ausgedacht, das wissen sie von Gott.

Jetzt der „Aufbaukurs“! „Engel!?“ weiterlesen

Danke!

Vorsicht! Danken ist gefährlich! Für geschenkte Blumenstöcke soll man nicht danken. Sonst wachsen sie nicht. Ein Kranker muss Hilfe als selbstverständlich hinnehmen. Nicht danken! Sonst nimmst du Schaden! Für eine geliehene Schere darf man nicht danken. Sonst bekommt man Streit mit der betreffenden Person. Wenn Frauen sich gegenseitig Zöpfe flechten, sollen sie nicht danken. Sonst fallen die Haare aus. Wenn eine alte Frau auf dem Weg zur Taufe grüßt: nicht danken! Es könnte eine Hexe sein, die Gewalt über das Kind erlangt …

Aberglaube! Das kommt dabei heraus, wenn man sich von seinen christlichen Wurzeln entfernt. Denn Danken: das ist eine Kulturform, die durch das Christentum zu uns gekommen ist. Nicht zu danken, das gehört in den Bereich von Zauber und Magie. Es schützt angeblich vor Schaden. Eine weit verbreitete Meinung war das früher. Früher?

Ist Danken heute selbstverständlich? Oder hat sich eine neue Form von Aberglauben entwickelt? Eine Einstellung nach dem Muster: Das steht mir doch zu! Dafür habe ich doch bezahlt! Das habe ich mir doch hart erarbeitet! – Da ist kein Platz mehr für ein freundliches „Danke!“

Am Sonntag ist Erntedankfest. Durch Danken, so heißt es, wird der Geist erlöst. Wofür werden Sie sich bedanken? Bei wem?

Herrnhuter Losung für den 1. September

Einen Fremden sollst du nicht quälen. Denn ihr wisst, wie dem Fremden zumute ist, seid ihr doch selbst Fremde gewesen im Land Ägypten. 2. Mose 23,9

Wichtiger Bestandteil unserer abendländischen / europäischen / deutschen „Leitkultur“ – oder entbehrliche alttestamentliche Sozialromantik?

Selbst auferlegte Lasten

Gedanken zum 14. Sonntag nach Trinitatis

„Eigentlich“, liebe Gemeinde…, „eigentlich“… „Eigentlich“ will man mit jedermann auskommen. Eigentlich ist man für Frieden und Gerechtigkeit. Eigentlich will man sich um andere kümmern. „Eigentlich“… Aber irgendwie – wenn wir ehrlich sind – bleiben wir immer dahinter zurück. Wir wissen recht gut, was noch zusätzlich ginge, aber … Ja, wir wollen sogar „gut“ sein, aber letztlich gelingt uns das nicht. „Das Gute, das ich will“, schreibt Paulus, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“ (Röm 7, 19). „Eigentlich“ bin ich ein guter Mensch, aber… Nicht schön, ja ärgerlich, das erkennen zu müssen. Eigentlich braucht uns doch keiner zu sagen, was gut und was böse ist. Wir wissen es doch, – und wenn wir uns nur richtig anstrengen, dann werden wir es doch auch schaffen …, eigentlich…

Nein! sagt Paulus. Er unterbricht an dieser Stelle unsere Gedanken. Er geht dazwischen. Hier, wo doch scheinbar die Stärke von uns Menschen liegt. Hier, wo es darum geht, zu planen, zu forschen, seinen Willen einzusetzen, kurz: die Dinge besser zu machen. Hier, wo schlaue Bücher und Methoden ihre Hilfe anbieten, wo die Menschheit scheinbar unaufhaltsam voranschreitet. Genau hier geht der Apostel dazwischen. Aber er fügt den vielen guten Ratschlägen nicht noch einen weiteren hinzu. Er wetteifert nicht mit uns um die klügsten Lebensregeln. Nein, er mischt sich ein mit einem seltsamen Satz.

Dieser Satz heißt: „Wir sind nicht dem Fleisch schuldig, daß wir nach dem Fleisch leben!“. Was meint er damit? Und was meint er mit dem, was er kurz vorher gesagt hatte, nämlich: „Es gibt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“? „Selbst auferlegte Lasten“ weiterlesen

Lieber Gott?

Gedanken zum 13. Sonntag nach Trinitatis

Solche Sätze können einem gefallen: Gott ist die Liebe! Knapp, einfach und schön. Man fragt sich geradezu, warum dieser Satz nicht im Glaubensbekenntnis steht. Treffender kann man es doch gar nicht sagen!

Aber nun haben ja gerade knappe und griffige Formulierungen etwas Zweischneidiges. Sie leuchten zwar ein, aber sie vereinfachen auch, ja, sie können in die Irre führen. Gott ist die Liebe! Wenn das so ist, dann kann man ja wohl diesen Satz auch umdrehen: Die Liebe ist Gott!? Also: überall da, wo Menschen einander liebevoll begegnen, da treffen sie auf Gott selber. Ist das nicht überhaupt der Schlüssel? Erledigen sich damit nicht komplizierte theologische Erörterungen!?

Tatsächlich gibt es ja in der Bibel die Rede davon, dass der Mensch das Ebenbild Gottes sei. Wenn also Gott Liebe ist, dann auch der Mensch. Und in der Tat erfahren wir Liebe durch Menschen. Der Dichter Ernesto Cardenal spricht davon, dass jeder Mensch einen unerschöpflichen Vorrat an Liebe in sich trage, nicht nur die Sehnsucht danach, sondern auch die Fähigkeit dazu. Und mit dieser Liebe verhalte es sich wie mit einem Medikament, das man in der Pillendose mit sich herumtrage: sie muss heraus, muss verteilt und „eingenommen“ werden, sonst kommt sie nicht zur Wirkung. Der riesige Vorrat an Liebe kann zur Last werden, die drückt und die auf die Suche treibt nach dem, was wir in Wahrheit selber in uns tragen: „Wir selber sind dem Wesen nach Liebe, denn wir sind Ebenbilder Gottes und Gott ist Liebe.“

„Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“. Scheinbar wird uns hier so etwas wie ein Rezept gegeben zum glücklichen Leben. Offenbar muss man es nur richtig anstellen, muss an der Liebe dranbleiben, dann geht es einem gut.

Nur: das wird ja vom Leben dauernd widerlegt. „Lieber Gott?“ weiterlesen