Abriss statt Kultur

Die Goslarsche Zeitung meldete am 8. Juni 2020: Die SPD will in Oker einen Konsul-Adam-Platz etablieren, um an den Goslarer Ehrenbürger zu erinnern.

 

Dazu mein Leserbrief (GZ 9. Juni 2020):

Einen Platz nach Konsul Adam benennen: sehr gute Idee, wenn man mal davon absieht, dass es in Ohlhof schon einen sehr versteckt liegenden Konsul-Adam-Weg gibt. Jedenfalls könnte sich Goslar damit eine weitere, hoffentlich wirksame dauerhafte Erinnerung an eine kulturelle Barbarei vor 40 Jahren schaffen.

Die im Artikel nur kurz gestreifte Versteigerung der Sammlung Adam bedeutete für die Stadt einen immensen kulturellen Aderlass. In einem GZ-Artikel nannte die damalige Lokalchefin Ursula Müller den Schatz ein „Millionending“. „Leider“, so die kulturaffine Journalistin, sei die Sammlung „bei der Stadt Goslar nie in ihrem vollen Umfang gewürdigt“ worden. Bis in die höchsten Spitzen habe der Rat gegenüber der Leihgabe Interessenlosigkeit gezeigt. Die Stadt entzog dem öffentlich zugänglichen Museum – ein Turm mit der Adresse Gemeindehof 1 – das Quartier durch Abriss, weil ein inzwischen bereits wieder niedergelegter Schulanbau her musste. Eine angemessene Alternative, so klagte damals die Eigentümerin Christa Holldorf, wurde seitens der Stadt nicht angeboten. Die Versteigerung der 6904 Stücke bei Tenner in Heidelberg dauerte vom Mai 1980 bis in den Herbst 1981. Käufer eilten bis aus Amerika herbei. Goslar ersteigerte schnell noch das Rumpoltsche Kochbuch von 1587, weil es „die Grundlage für das Goslarsche Panckett bildete“. Guten Appetit weiterhin!

Assoziationen zu weniger weit zurückliegenden und sogar aktuellen Parallelen dürften dem/der Kundigen nicht schwer fallen…

Amerika – war da nicht was?!

… 17 Jahre danach…

Liebe Friedensdemonstrantinnen und –demonstranten,

liebe Schülerinnen und Schüler,

es ist also soweit.

„Shock and awe“ – Angst und Schrecken. Die Regierung der USA zeigt, was sie kann. Sie kann Kinder erschrecken. Tausende von ihnen leiden. Nicht erst seit dem 18. März. Nachts kotzen sie das aus, was sie tagsüber an Nahrung hatten. Kein Schlaf. Angst; und das seit Monaten. Über Jahre wird diese Traumatisierung andauern. Toll, Amerika, du zeigst, was du kannst! Übrigens droht auch uns das, wenn wir zu viel Krieg im Fernsehen gucken: „war and chips“! – das ist sehr unbekömmlich! Die Regierung der USA kann noch was: Sie kann Presse und Fernsehen so knebeln, dass ein ästhetischer Krieg übertragen wird: Fröhlich plaudernde Reporter auf hurtiger Panzerfahrt durch die Wüste. Wohlig warm brennende Häuser – „live“, links darunter der Börsenticker: Öl wird billiger. Toll! „Amerika – war da nicht was?!“ weiterlesen

Neujahrswünsche an den Kaiser

In Goslar steht ein Kaiserhaus,

Da schaut der greise Kaiser raus.

Er starrt nach Osten unverwandt,

Wo einstmals seine Kirche stand.

Er reibt die Augen, ihm wird bange:

Denn was er sieht: nur eine Stange!

Und dann noch: irgendwie ein Kreis,

Von dessen Sinn hier niemand weiß.

 

„Was habt ihr nur daraus gemacht?!

Ich ließ mein Herz hier einst bestatten,

Wo Papst und Kaiser Frieden hatten…

Habt ihr das alles wohl bedacht?“

 

Ein Kirchenbau in Goslar stand,

Erneut will man den jetzt versenken.

O Kaiser, nimm sie bei der Hand,

Dass sie der Stadt was Bess´res schenken!

HL

 

Abbildung: Harzer Panorama / Kaspert

 

Geburtsvorbereitung

Phantastisch! Fast alle freuen sich über die Schwangerschaft und auf das Kind. Nachbarn und Freunde sind auf der Suche nach Geschenken, die Häuser sind geschmückt, im Zentrum der Stadt werden allerlei Köstlichkeiten angeboten. In zwei Wochen ist es so weit, das Kind kommt zur Welt. „Geburtsvorbereitung“ weiterlesen

Eine kurze Geschichte der Goslarer Reformation

Ein Beitrag zum Reformationstag

Goslar zählt zu den traditionsreichsten Städten Norddeutschlands. Die monumentale Kaiserpfalz zeugt von der historischen Bedeutung. Goslar war Mitglied der Hanse und erhielt 1290 den Status einer „Freien Reichsstadt“. Die mittelalterliche Altstadt ist bis heute weitgehend erhalten. Sie zählt mit dem Bergwerk Rammelsberg und der Oberharzer Wasserwirtschaft zum UNESCO-Weltkulturerbe. „Eine kurze Geschichte der Goslarer Reformation“ weiterlesen

150 Jahre Braunschweigische Landessynode

Vor 24 Jahren:

Auf dem Weg zu Reformen in der Landeskirche 

– Einführung in das Gesamtthema –

Herr Präsident, liebe Mitsynodale, meine Damen und Herren!

  1. Wir haben in diesen Tagen etwas sehr Wichtiges vor! Gemeinsam wollen wir uns bemühen, Reformen in Gang zu bringen. Anlaß dazu gibt es genug. Das Ansehen der Kirche in der Öffentlichkeit schwindet merklich. Die Mitgliedschaft in der Kirche wird zunehmend zur Disposition gestellt. Die Kirche ist in Konkurrenz geraten zu anderen Anbietern von Wertorientierung und zu anderen finanziellen Prioritäten. Wir stehen also unter einem erheblichen Druck von außen.

Die Impulse zur Reform kommen aber auch von innen heraus. Wo stehen wir? Wo gehören wir hin? Wie nehmen wir unsere Weltverantwortung wahr? Wie gehen wir mit Unzufriedenheit und Resignation in den eigenen Reihen um? Diesen Fragen müssen und wollen wir uns stellen. „150 Jahre Braunschweigische Landessynode“ weiterlesen

Absolutes Vertrauen

 

Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis (18. August 2019)

Von vorn anfangen dürfen! Das Leben vor sich haben! Wissen, wozu man da ist! Etwas Schöneres kann es nicht geben. Einen Schlussstrich ziehen unter alles, was vorher war. Sich nicht mehr festlegen lassen auf das, was misslungen ist. Ballast abwerfen.

Ein Traum? Paulus hat ihn erlebt.

„Absolutes Vertrauen“ weiterlesen

Abschotten

Es ist eine Menge los, weltweit! Fluten, Kriege, Hitze, durchgedrehte Politiker. Wer das alles gleichzeitig an sich ranlässt, bekommt selber ein Problem. Wenn sich zu vieles in meinem Kopf und in meiner Seele vermengt, wird daraus ein gefährliches Gemisch. Die Folge kann sein: Ich werde bitter, aggressiv, zynisch, depressiv – je nach persönlicher Veranlagung.

Die Seefahrt löst das so: In den riesigen Frachtschiffen werden zwar verschiedenste Waren transportiert, auch Flüssigkeiten. Damit die aber bei Wellengang nicht alle zusammenschwappen, wird abgeschottet. Schwere Stahlwände trennen den Laderaum in Kammern auf. Alles hat seinen Platz. Ob es so gehen könnte?

Nicht ständig alles an sich ranlassen. „Abschotten“ in der eigenen Seele. Nicht verdrängen oder verleugnen. Aber den „Platz anweisen“. Damit ich nicht „überschwappe“. Die erste Kammer bleibt am besten ganz frei und  geöffnet. Sie soll sich täglich füllen mit guten Gedanken, Gottes Geistkraft, Gebet, Hoffnung.