Amerika – war da nicht was?!

… 17 Jahre danach…

Liebe Friedensdemonstrantinnen und –demonstranten,

liebe Schülerinnen und Schüler,

es ist also soweit.

„Shock and awe“ – Angst und Schrecken. Die Regierung der USA zeigt, was sie kann. Sie kann Kinder erschrecken. Tausende von ihnen leiden. Nicht erst seit dem 18. März. Nachts kotzen sie das aus, was sie tagsüber an Nahrung hatten. Kein Schlaf. Angst; und das seit Monaten. Über Jahre wird diese Traumatisierung andauern. Toll, Amerika, du zeigst, was du kannst! Übrigens droht auch uns das, wenn wir zu viel Krieg im Fernsehen gucken: „war and chips“! – das ist sehr unbekömmlich! Die Regierung der USA kann noch was: Sie kann Presse und Fernsehen so knebeln, dass ein ästhetischer Krieg übertragen wird: Fröhlich plaudernde Reporter auf hurtiger Panzerfahrt durch die Wüste. Wohlig warm brennende Häuser – „live“, links darunter der Börsenticker: Öl wird billiger. Toll!

Freundliche US-Soldaten, die irakische Überläufer höflich bitten, sich untersuchen zu lassen. Toll!

Nein, es ist eklig! Für wie blöd hält man uns eigentlich?! Längst sind Kinder getötet, denen die Schädeldecke weggesplittert ist. Verstümmelungen, Krebs, und Missbildungen wird es geben: ich habe die Bilder gesehen, das Ergebnis des Krieges 1991; Uran-Munition ist die Ursache. Sie wird auch jetzt wieder eingesetzt. „Angst und Schrecken“ verbreiten, das ist dir gelungen, Amerika. Presse und TV sind deutlich bemüht, ein realistisches Bild zu zeigen… gut so! Und noch was: wir sind wieder ganz am Anfang! Es gilt wieder: das Recht des Stärkeren. Nicht: die Stärke des Rechts, nein, das Recht des Stärkeren! Natürlich ist das zunächst bei Saddam so: schrecklich! Gut, wenn der weg ist. Aber: Ich glaube nicht mehr, dass es um Demokratie geht! 18 x haben die USA einen Regimewechsel herbei geführt, nur 3 x ist eine Demokratie entstanden – eine davon sind wir: Deutschland. Jetzt müssen wir an dem Gelernten festhalten! Das bedeutet:

Man kann nicht so tun, als käme man als Befreier – und in Wahrheit das Öl meinen.

Man kann nicht erst mit dem Diktator Händchen halten – und ihn dann bekämpfen: Saddam Hussein…

Man kann nicht Bin Laden hofieren – und dann empört sein, dass er die Waffen gegen Amerika in Stellung bringt.

Man kann nicht an Waffen verdienen wollen – und sie dann empört wieder einsammeln!

Man kann nicht den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen lächerlich machen – und dann erwarten, dass man einem Krieg zustimmt!

Vergesst diese Tage nie! Wacht auf! Zurzeit wird das Völkerrecht auf dem Schuttplatz der Geschichte entsorgt! Seit dem 18. März gilt wieder das Faustrecht! „Angst und Schrecken!“ – wie in den Zeiten des Alten Rom!

Ein Zitat aus Tacitus:

„Nachdem die Plünderer der Welt das Land ausgebeutet haben, wenden sie sich dem Meer zu. Wenn der Feind reich ist, wollen sie seinen Besitz, ist er arm, wollen sie, dass er sich fügt. Nichts in Ost und West genügt ihnen. sie begehren Hab und Gut aller anderen, auch wenn diese verarmen. Rauben, Zerstören, Plündern, das ist Imperium. Und die Einöde, die Sie überall hinterlassen, nennen sie Frieden.“ (Tacitus, Agricola, 30)

Ich erkläre hier: Nicht in meinem Namen!

Was können wir tun? – Demonstrieren! „Flagge zeigen“. Lasst euch nicht einreden, das bewirke sowieso nichts! Überlegen, wie man selber beteiligt ist: Lebensstil! Verharmlosung?! Leichtgläubigkeit?! Mangelndes Interesse?!

Wichtig sind mir dafür: besondere Orte und Zeiten, so etwa das Friedensgebet um 11:30 Uhr in der Marktkirche. Wir beten täglich: „Ich bin beteiligt an den Verwundungen in meinem Leben, im Leben anderer, im Leben der Welt!“

Auch in der Jakobikirche und in der Klauskapelle und an vielen anderen Orten gibt es Friedensgebete.

Was kann man noch machen? Skeptisch werden oder bleiben gegen „große Worte“: wer behauptet, er bzw. sie! – trage den Krieg mit allen Konsequenzen mit, macht sich schuldig!

Die Opfer sind vergessen, sobald die Kameras abgebaut sind. Wer heilt die Wunden? Wer kümmert sich um die verletzten Seelen – ein Leben lang?!

Und Herr Bush, Ihnen sei gesagt: Man kann nicht in der einen Hand die Bibel haben und in der anderen den Revolver!

Jesus sagt:

„Selig sind die Friedensstifter“ und „Stecke dein Schwert ein“, auch: „Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen!“

Darum: Friede ist ein Ziel, vor Allem aber ein Weg!

Schalom/Salem/Pax/Pace/Frieden!

Rede auf der Schülerdemonstration gegen den Irak-Krieg am 24. März 2003, Beginn 14:00 Uhr am Ratsgymnasium, Demonstrationszug mit Endpunkt Marktplatz Goslar

Helmut Liersch

150 Jahre Braunschweigische Landessynode

Vor 24 Jahren:

Auf dem Weg zu Reformen in der Landeskirche 

– Einführung in das Gesamtthema –

Herr Präsident, liebe Mitsynodale, meine Damen und Herren!

  1. Wir haben in diesen Tagen etwas sehr Wichtiges vor! Gemeinsam wollen wir uns bemühen, Reformen in Gang zu bringen. Anlaß dazu gibt es genug. Das Ansehen der Kirche in der Öffentlichkeit schwindet merklich. Die Mitgliedschaft in der Kirche wird zunehmend zur Disposition gestellt. Die Kirche ist in Konkurrenz geraten zu anderen Anbietern von Wertorientierung und zu anderen finanziellen Prioritäten. Wir stehen also unter einem erheblichen Druck von außen.

Die Impulse zur Reform kommen aber auch von innen heraus. Wo stehen wir? Wo gehören wir hin? Wie nehmen wir unsere Weltverantwortung wahr? Wie gehen wir mit Unzufriedenheit und Resignation in den eigenen Reihen um? Diesen Fragen müssen und wollen wir uns stellen. „150 Jahre Braunschweigische Landessynode“ weiterlesen