Geburtsvorbereitung

Phantastisch! Fast alle freuen sich über die Schwangerschaft und auf das Kind. Nachbarn und Freunde sind auf der Suche nach Geschenken, die Häuser sind geschmückt, im Zentrum der Stadt werden allerlei Köstlichkeiten angeboten. In zwei Wochen ist es so weit, das Kind kommt zur Welt. Und alle sollen spüren: Wir freuen uns über das Neugeborene. Natürlich ist diese Art der Geburtsvorbereitung nicht alltäglich. Bei normalen Schwangerschaften geht es weniger aufwändig zu. Nachbarinnen und Freunde kaufen vielleicht einen Strampelanzug oder kleine Söckchen, mehr ist nicht. Und man wartet erst ab, ob alles klappt. Gratuliert wird auf keinen Fall vor der Zeit, geschenkt auch nicht.

Bei der Schwangerschaft der Maria handelt es sich um eine Ausnahme. Wir kommen früher in Gang – mit Recht. Wir wissen schon jetzt: es wird alles gut gehen. Das Kind wird wachsen und gedeihen, frohe Nachricht von Gott bringen, heilen und für uns eine große Bedeutung haben, sterben und auferstehen. Einmalig bislang! Kein Wunder, dass wir uns darauf intensiv vorbereiten. Überall Licht und Glanz, Vorfreude.

Gestatten Sie mir, liebe Leserin, lieber Leser, aber diesen Hinweis: die Vorbereitung kann auch zu laut und vielfältig werden. Sie können in Stress geraten, ja, es droht, dass für den Original-Inhalt des Festes gar kein Raum mehr bleibt. Das wäre schade! Sie sollen ja ein Geschenk bekommen. Dazu brauchen Sie Besinnung und Innehalten. Die sind möglich: bei Gesprächen auf dem Adventstsmarkt, beim lebendigen Adventskalender, in den Kirchen. Übrigens: der Geburtstermin steht bereits eindeutig fest: es ist der 25. Dezember!

Nikolaus aktuell

Gedanken zum 6. Dezember

Wappen von Melverode (Braunschweig): Nikolaussymbole Schiff und Goldkugeln

„Es lebten ein armer Mann und seine drei Töchter. Sie hatten alle Hunger und es gab weder für den Vater noch für die Mädchen Arbeit“. So fängt eine der Geschichten vom Nikolaus an. Bekanntlich geht sie so weiter, dass Nikolaus den Mädchen hilft, indem er Geldbeutel durch die Fensteröffnung wirft. Er selber bleibt unerkannt. Die Geschichte wirkt nicht wie über anderthalb Jahrtausende alt. Sie klingt modern. „Das größte Armuts-Risiko: alleinerziehend, drei Kinder“, so titelte kürzlich eine Zeitung. Erschreckend! Armes Deutschland! Was hast du getan mit deinem „Wirtschaftswunder“ und deinem Jahrzehnte währenden Reichtum?

Nikolaus ist keine Märchenfigur. Er ist ein Christ, der im 4. Jahrhundert gelebt hat, ein Zeitgenosse Konstantins des Großen. Als Christ hatte er ein Menschenbild, das von der Bibel her geprägt war. Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes. Jeder! Das gilt unabhängig davon, was eine Person geleistet hat, wie gesund oder krank er oder sie ist, welcher Hautfarbe oder welcher sozialen Herkunft. Für eine Gesellschaft, die sich ihrer christlichen Wurzeln bewusst bleibt, hat das Folgen. Sie hat dafür zu sorgen, dass jeder Mensch in Würde leben kann. In vielen – für uns fernen – Ländern war das leider nie der Fall. Jetzt kommen viele aus dem Elend zu uns. Wegschauen hilft nicht. Gut, dass es hier und da „Nikoläuse“ gibt, die helfen. Das wird aber nicht reichen. Unsere Gesellschaft muss umdenken, Politiker müssen aufhören, ihre jeweilige Lobby zu bedienen. Ob sie die Kraft dazu haben? Ob die christlichen Quellen noch sprudeln, aus denen einst ein Nikolaus geschöpft hat?

 

Abschotten

Es ist eine Menge los, weltweit! Fluten, Kriege, Hitze, durchgedrehte Politiker. Wer das alles gleichzeitig an sich ranlässt, bekommt selber ein Problem. Wenn sich zu vieles in meinem Kopf und in meiner Seele vermengt, wird daraus ein gefährliches Gemisch. Die Folge kann sein: Ich werde bitter, aggressiv, zynisch, depressiv – je nach persönlicher Veranlagung.

Die Seefahrt löst das so: In den riesigen Frachtschiffen werden zwar verschiedenste Waren transportiert, auch Flüssigkeiten. Damit die aber bei Wellengang nicht alle zusammenschwappen, wird abgeschottet. Schwere Stahlwände trennen den Laderaum in Kammern auf. Alles hat seinen Platz. Ob es so gehen könnte?

Nicht ständig alles an sich ranlassen. „Abschotten“ in der eigenen Seele. Nicht verdrängen oder verleugnen. Aber den „Platz anweisen“. Damit ich nicht „überschwappe“. Die erste Kammer bleibt am besten ganz frei und  geöffnet. Sie soll sich täglich füllen mit guten Gedanken, Gottes Geistkraft, Gebet, Hoffnung.

Lust am Predigen

Wie gebe ich Zeugnis von der Hoffnung?

Ein Plädoyer gegen die Selbst-Marginalisierung evangelischer Verkündigung

Das wär`s: sich hinstellen und aus dem Vollen schöpfen. Hoffnung verströmen. Sonntag für Sonntag, alltags – bei welchem Anlass auch immer: Die versammelten Menschen in den Blick nehmen und loslegen, also: von dieser großen und einmaligen Hoffnung sprechen, sie bezeugen, ihre Relevanz erweisen. Selber davon erfüllt sein, so sehr, dass kein Konzept nötig ist. Alles kommt von innen heraus, ist erlebt und erbetet, drängt auf Kommunikation – aus der Überzeugung heraus, der Gemeinde Lebenswichtiges mitzuteilen.

Wer will uns eigentlich noch hören …?!

Zu beobachten ist etwas anderes. Es gibt eine Unlust an der Predigt. Es gibt eine pfarrer- und pfarrerinnen-typische Form des Unglaubens und der Untreue. Es ist die Selbst-Marginalisierung. „Ich muss am Sonntag predigen“, hört man hier und da – ein verräterisches kleines Sätzchen. „Lust am Predigen“ weiterlesen

Auferstehung

Ich erinnere euch an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr´s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt. Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tag nach der Schrift.

  1. Korintherbrief 15, 1-4

 

Ohne Ostern gäbe es keine christliche Kirche! Die Geschichte hätte einen anderen Lauf genommen! Paulus ist davon überzeugt. Für ihn hängt alles an der Auferstehung. Ist Christus nicht auferstanden, so schleudert er den Kritikern entgegen, dann ist alle Predigt vergeblich. Er hält das Osterereignis für sicher überliefert, und es ist für ihn die Grundlage allen Glaubens. Diese starken Worte haben es heute schwer, gehört zu werden. Längst ist Ostern im öffentlichen Bewusstsein seines zentralen Inhaltes beraubt. Allenfalls wird das Empfinden des allgemeinen Werdens und Vergehens angesprochen – schließlich ist Frühling. Ansonsten dominieren Hasen und Eier. Kritiker der Überlieferung tun ein Übriges: sie „entlarven“ die Erscheinungen des Auferstandenen als subjektive Einbildungen. Wer wälzt diese vielen „Steine“ beiseite? Den Stein des Zweifels, den Stein der Destruktion, den Stein des Unglaubens?

Ich hoffe, dass zu Ostern im Sinne des Paulus gepredigt wird: dran festhalten! Dabei kann es nicht darum gehen, „Beweise“ dafür anzuführen, dass das Grab Jesu leer war. Bei Paulus steht davon – im Gegensatz zu den Evangelien – gar nichts. Aber wir dürfen den Erfahrungen der frühen Christinnen und Christen vertrauen! Überwältigend viele durften erleben: der Gekreuzigte lebt! Selbst der größte Kritiker wird nicht leugnen können, welche Lebensenergie aus dieser Gewissheit gewonnen wurde. Aber auch der Verstand muss nicht kapitulieren! Warum sollte der Tod eine Grenze für Gott sein?! Gott dem Schöpfer traue ich Neuschöpfung des Lebens zu. So, wie ich mir das Werden der Welt und meines Lebens nicht „vorstellen“ kann, so bleibt mir das „Wie“ von Auferstehung zwar verborgen. Aber die Welt hat einen Sinn auch da, wo ich ihn nicht verstehe. Es wird Zeit, das wieder zu erkennen, trotz und auch wegen des wissenschaftlichen Fortschritts. Was gibt mir das Recht, nur das für möglich zu halten, was ich sehen oder denken kann?

April, April!

„Am 1. April / schickt man die Narren, wohin man will“! Passen Sie auf am Montag! Nicht, dass Sie losgeschickt werden, gedörrten Schnee zu kaufen oder ungebrannte Asche abzuholen. Oder dass man Ihnen einen großen Gewinn verspricht, den es gar nicht gibt. Am 1. April soll Judas geboren sein. Das ist der, der Jesus „verriet“. Damit, so die Sage, sei an diesem Tag der Teufel in der Welt

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Antisemitisch motivierte Judas-Darstellung im Goslarer Rathaus

Klingt verschroben, aber wir verstehen: Man hat ja nicht nur am 1. April den Eindruck, dass „der Teufel los“ ist in unserer Welt. „April, April!“ weiterlesen

Goslar – eine Stadt der Reformation!

Ein Beitrag zum Reformationstag

Goslar, Bergstrasse 53

Was genau macht eigentlich Goslar zu einem zentralen Ort der Reformation? Da ist zum einen die Altstadt selber. Die Kirchengebäude und Kapellen standen – mit Ausnahme der nach dem Brand von 1728 neu errichteten Stephanikirche – bereits vor 500 Jahren an ihrem Ort. Zahlreiche Gebäude, die bereits damals das Stadtbild prägten, blieben erhalten, das Rathaus genauso wie die Kaiserpfalz und bis heute eindrucksvolle Teile der Stadtbefestigung mit dem Breiten Tor und dem Zwinger von 1517. Es gibt sehr frühe Indizien reformatorischer Regungen im Umfeld der Jakobi-Gemeinde. In den frühen 1520-er-Jahren predigten dort Kapläne im Sinne Luthers. Weil das vom Rat und vom zuständigen Pfarrer nicht gelitten war, zog man vor die Stadtmauern auf den Lindenplan. Goslarer, die sich dort sammelten, nannte man die „Lindenbrüder“. Einer dieser frühen Prediger wurde überaus bedeutend für die Verbreitung von Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testamentes von 1522. Theodor Smedeken übertrug es 1523 ins Niederdeutsche. Erst das machte die Sprache Luthers für den norddeutschen Raum verstehbar. „Goslar – eine Stadt der Reformation!“ weiterlesen

Engel!?

Zum Michaelistag

Hebräer 1, 7.13f und Offenbarung 12, 7-12a

Ich kenne den Namen unseres Briefträgers nicht! Habe nie danach gefragt! Nicht, dass er mir egal wäre! Im Gegenteil: Ich warte manchmal ungeduldig auf ihn und hoffe, dass er bald kommt. Besser gesagt: Ich warte auf das, was er bringt. Briefe, Karten, Päckchen, Geschenke… Manchmal ist das einfach so da: Im Briefkasten, auf der Flurtreppe – ohne, dass ich den Boten gesehen habe. Manchmal begegne ich ihm, am Gartentor, im Hausflur, vor der Wohnungstür: Ich kann gar nicht genau sagen, wie er aussieht. Ich schaue ihm meist nicht ins Gesicht. Ich schaue auf seine Hände: Was er mir bringt – und ich kann es gar nicht abwarten, die Post aufzumachen und die zu lesen. Eines weiß ich aber schon vorher: Die Nachricht stammt nicht vom Postboten. Er überbringt sie nur. Darum ist er für mich wichtig. Aber letztlich: Er vollbringt lediglich eine Dienstleistung für den Absender.

Verstanden? Okay! Das war er, der „Grundkurs Engel“! Wir wissen jetzt, was es mit den Engeln auf sich hat. Ein Engel ist ein Bote. Er handelt ausschließlich im Auftrag Gottes. Und seine Botschaft ist immer etwas, das Gott uns mitteilen will. Und so, wie ich meinen Postboten nicht mit Namen kenne, so kennen wir auch nur wenige Engel mit Namen: Raphael, Gabriel, Michael… Meist aber sind sie namenlos, oder ganze Heerscharen – so wie in der Weihnachtsgeschichte: Alsbald aber war da die Menge der himmlischen Heerscharen. Und was brachten die für eine Botschaft? Klar! „Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren!“ Eindeutige Sache: Das haben sie sich nicht selber ausgedacht, das wissen sie von Gott.

Jetzt der „Aufbaukurs“! „Engel!?“ weiterlesen

Danke!

Vorsicht! Danken ist gefährlich! Für geschenkte Blumenstöcke soll man nicht danken. Sonst wachsen sie nicht. Ein Kranker muss Hilfe als selbstverständlich hinnehmen. Nicht danken! Sonst nimmst du Schaden! Für eine geliehene Schere darf man nicht danken. Sonst bekommt man Streit mit der betreffenden Person. Wenn Frauen sich gegenseitig Zöpfe flechten, sollen sie nicht danken. Sonst fallen die Haare aus. Wenn eine alte Frau auf dem Weg zur Taufe grüßt: nicht danken! Es könnte eine Hexe sein, die Gewalt über das Kind erlangt …

Aberglaube! Das kommt dabei heraus, wenn man sich von seinen christlichen Wurzeln entfernt. Denn Danken: das ist eine Kulturform, die durch das Christentum zu uns gekommen ist. Nicht zu danken, das gehört in den Bereich von Zauber und Magie. Es schützt angeblich vor Schaden. Eine weit verbreitete Meinung war das früher. Früher?

Ist Danken heute selbstverständlich? Oder hat sich eine neue Form von Aberglauben entwickelt? Eine Einstellung nach dem Muster: Das steht mir doch zu! Dafür habe ich doch bezahlt! Das habe ich mir doch hart erarbeitet! – Da ist kein Platz mehr für ein freundliches „Danke!“

Am Sonntag ist Erntedankfest. Durch Danken, so heißt es, wird der Geist erlöst. Wofür werden Sie sich bedanken? Bei wem?