„Hier möchte ich nach meinem Leben auch wohl ruhen!“

1819 bis 1826: Goslars Suche nach Platz für Grabstätten

Ein Beitrag zu „200 Jahre Friedhof Hildesheimer Straße“

Von Helmut Liersch

Die Bestattungskultur gerät unter Druck

Die geistigen und sozialen Umbrüche des späten 18. Jahrhunderts brachten auch einen Wandel der Bestattungskultur mit sich. Charakteristisch dafür war die Verlegung von Friedhöfen heraus aus den Zentren hin zu neu angelegten Flächen vor den Toren der Städte. Dieser Vorgang war möglicherweise getrieben von Impulsen der Französischen Revolution. Bereits 1804 hatte Napoleon ein Bestattungsdekret erlassen, das Bestattungen in Kirchen und auf innerstädtischen Kirchhöfen untersagte, was etwa in Köln unter napoleonischer Besetzung 1810 durchgesetzt wurde. Erhebliche Veränderungen der Erinnerungskultur und bezüglich des Umgangs mit den Verstorbenen und ihren Gräbern sind auch in Goslar zu beobachten, allerdings relativ spät. So mahnt die hannoversche Provinzialregierung den Goslarer Magistrat mit Schreiben vom 30. November 1821, „nicht länger hinter so vielen andern Städten und selbst kleineren Orten, wo die Verlegung der Kirchhöfe vor die Thore längst ausgeführt ist, zurückbleiben zu wollen“.. Die Gründe für die radikalen Veränderungen gehen aus den Goslarer Quellen hier und dort klar hervor. Die Provinzialregierung formuliert, es gehe um einen „heilsamen Zweck“, ohne diesen näher zu benennen. Deutlich wird immer wieder, dass vor allem die Überbelegung der traditionellen Bestattungsorte mit ihren unerwünschten Folgen zum Handeln zwang. Auch für Goslar dürfte Ähnliches gegolten haben, wie es andernorts klar beschrieben wird. Als Beispiel soll hier ein Zitat aus der ostwestfälischen Kleinstadt Versmold stehen, aufgeschrieben im Jahr 1810: „“Welche das Herz empörende Anblicke werden wir fast wöchentlich auf unserm Gottesacker gewahr. Särge, die noch unversehrt sind, [werden] ausgegraben und zerstoßen, und die darin noch nicht halb vermoderten Gebeine unserer Vorfahren heraus geworfen, um nur Platz zu kriegen. Bey den Haaren werden sie oft noch heraus gerißen, so daß man vor Gestank vergehen möchte.“  Es ist von Schwindel- und Ohnmachtsanfällen die Rede.

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Der ganze Beitrag ist (bald) nachzulesen unter: https://geschichtsvereingoslar.de/Stadtgeschichten/

Neuerscheinung über den Goslarer DOM!

Am Donnerstag, 18. September 2025 um 16 Uhr wurde die Neuerscheinung im Wintersaal der Goslarer Kaiserpfalz vorgestellt. Das Grußwort hielt Frau Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner.

Die Autoren – der Vorsitzende des Goslarer Geschichtsvereins Günter Piegsa und der frühere Goslarer Propst Helmut Liersch – berichteten anhand zahlreicher Abbildungen über die Inhalte des Bandes.

Nach der Niederlegung des Goslarer Doms vor 200 Jahren verfestigte sich zunehmend die Auffassung, nur wenig sei übriggeblieben. Einige Steinfragmente und Ausstattungsgegenstände werden in der Domvorhalle, in der Pfalz und im Goslarer Museum präsentiert, andere wurden verkauft, eingelagert, häufig vergessen.

Der vorliegende Band geht erstmals der Frage nach, wie es überhaupt zum Abriss kam. Helmut Liersch beschreibt das jahrelange Ringen um das Bauwerk und benennt die Akteure, die nicht zuletzt in London zu suchen sind.

Von hohem dokumentarischem Wert sind die Bauaufnahmen, die vor dem Abriss angefertigt wurden. Mit ihrer Hilfe ermittelt Günter Piegsa die Größe des Doms. In einem weiteren Beitrag stellt er die städtebauliche Entwicklung des Domumfeldes in den letzten 200 Jahren vor. Dabei wird deutlich: Das Fehlen des Doms verursacht bis heute „Phantomschmerzen“.

Im Kapitel „Was übrig ist vom Goslarer Dom“ führt Günter Piegsa auf, was vom Dom und dessen Ausstattung nach wie vor an unterschiedlichsten Orten vorhanden ist.

Im Anhang werden erstmals zwei Originaltexte aus der Zeit unmittelbar vor dem Abbruch kommentiert vorgelegt. Das macht es möglich, 200 Jahre Abwesenheit zumindest beim Lesen zu überbrücken.

Goslarer „Dom“ soll auferstehen…

Samstag, 1. Juni 2019

Kirchliche Sorgen um den Domplatz

Auferstandener Dom beim Welterbetag 2007: Die Idee stammte von Thomas Moritz. Das Bild zeigt das gerade beendete „Memorial“ für den Goslarer Dom, aufgeführt von Jugendlichen der Stephani-Gemeinde unter Leitung von Imogen Liersch.                                                                                      Archivfoto: Moritz

 

Bitte nicht mit Bäumen und Büschen, sondern mit Steinen die Umrisse der früheren Bauten andeuten. Und eher eine Fläche für Fußgänger als eine Gartenanlage schaffen. Helmut Liersch und Günter Piegsa sprechen aus, was sie umtreibt. Mit großer Sorge haben sich der frühere Propst und der Vertreter der katholischen Kirche in der Pfalzquartier-Lenkungsgruppe jetzt zu den Planungen für den Domplatz zu Wort gemeldet.

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