Schaudepot der Marktkirche öffnet!

 

 

Kulturmarktplatz:

Die reformationszeitliche Marktkirchen-Bibliothek ist eingezogen

www.marktkirchenbibliothek-goslar.de

Es war der fünfte Umzug der Marktkirchen-Bibliothek. Am 5. November 2021 transportierten Mitglieder des Fördervereins und des Kirchenvorstandes die wertvollen Altbestände vorsichtig in den entstehenden Kulturmarktplatz (KUMA). Dort sind die Bände nun im Eingangsbereich in einem begehbaren Schaudepot untergebracht. Die weiteren Bestände werden im neuen Stadtarchiv in einem Büchermagazin gelagert, sobald der entsprechende Trakt bezugsfertig ist. Dort wird es auch einen Arbeitsraum für den mit der Bibliothek Beauftragten geben. Ein Depositalvertrag mit der Stadt Goslar regelt, dass die Bestände nun im „Besitz“ der Stadt sind, jedoch im „Eigentum“ der Kirchengemeinde bleiben.

Der letzte Umzug hatte am 22. Oktober 1969 stattgefunden. Auf dem Gemeindehof war der Neubau des Kirchenverbandsamtes Goslar entstanden samt eigenem Anbau speziell für die wertvolle Büchersammlung. Die Verlagerung aus dem ursprünglichen Bibliotheksraum, der 1535 nördlich an den Hohen Chor der Marktkirche angebaut worden war, fand damals nicht überall Beifall, hielten viele doch die Unterbringung für recht ordentlich. Was seinerzeit noch nicht im Bewusstsein war, ist die hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Bauwerk das überhaupt erste Gebäude ist, das im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert errichtet wurde. Und damit wäre es auch der erste reformationszeitliche Bibliotheksbau. Er befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Rathaus und orientiert sich an diesem stilistisch. Demnächst wird man für diesen Raum eine adäquate Nutzung erarbeiten müssen.

Die Marktkirchen-Bibliothek ist die einzige Goslarer Büchersammlung aus dem Spätmittelalter bzw. der frühen Neuzeit, die bis heute im Kern erhalten und vor Ort geblieben ist. Sie enthält zusätzlich Reste der einstigen Franziskanerbibliothek im Brüdernkloster, liturgische Werke aus dem Goslarer Dom, das einzige erhaltene Buch aus der Liebfrauenkirche und einen Band aus der Bibliothek des Klosters Riechenberg. Dazu kommen zahlreiche andere Provenienzen: Geistliche, Ratsherren und andere haben die Sammlung bereichert. Im Einzelnen ist das noch nicht untersucht.

Den Schutz des genannten Gebäudes konnte der Bücherschatz nicht immer genießen. Am 12. März 1840 hatte der Kirchenvorstand der Marktkirche dem Magistrat auf dessen höfliche Bitte vom 6. März 1840 hin erlaubt, die städtischen Akten in dem „feuerfesten Local“ unterzubringen. Zur Begründung – und um es dem Marktkirchen-Collegium leichter zu machen – , merkte man an, dass ja dort „nichts weiter als eine kleine und wie es scheint nicht wertvolle theologische Bibliothek aufbewahrt“ werde. Es folgte die Verlagerung der Bücher in einen Raum im Südwesten der Kirche (heute Küsterzimmer und Toilette), wo sie zwar den Brand von 1844 überstanden, aber doch Schaden nahmen. Gleiches gilt für den nochmaligen Umzug auf die Ratsprieche, die sich im südlichen Querarm der Kirche befand. Erst 1904 sorgte der damalige 1. Pfarrer der Marktkirche Karl Bormann dafür, dass der Vertrag mit der Stadt aufgelöst wurde und die Bibliothek an ihren angestammten Platz zurückkam.

In dem neu entstandenen Schaudepot, das hohe Sicherheitskriterien erfüllt, ist der historisch wertvollste und älteste Teil der Büchersammlung zu sehen. Auf 36 Regalböden von jeweils einem Meter Breite stehen 434 Bände, die 1200 Titel enthalten. Sie stammen aus den Jahren 1470 bis 1754. Es handelt sich dabei um diejenigen Bücher, die 1841 erstmals detailliert in einem handschriftlichen Katalog erfasst worden waren. Es war der Archivar Ernst H. Volger, der seinerzeit von der Stadt den Auftrag bekommen hatte, die städtischen Akten zu ordnen. Diese waren ja inzwischen im Anbau an die Marktkirche gelandet und damit ganz nahe bei der Marktkirchen-Bibliothek. Volger nutzte die Gelegenheit, sich mit der Katalogisierung ein „Zubrot“ zu verdienen. Von ihm stammt auch die bis heute gültige Nummerierung und damit die Reihenfolge.

Die Bücher sind im Großen und Ganzen nach Größe sortiert, was durchaus üblich war und auch jetzt beibehalten wurde. Ein Teil ist neuerdings (wieder) mit dem Buchschnitt nach vorn aufgestellt. Auch damit folgt die heutige Präsentation einem früheren System. Die 158 „falsch herum“ gezeigten Bände stammen ursprünglich aus dem Besitz des Halberstädter Humanisten, Notars und Klerikers Andreas Gronewalt, der sie 1535 nach Goslar in den genannten neuen Anbau bringen ließ. Viele seiner Bücher hatte er auf dem Buchschnitt signiert.

Die Neuaufstellung der Bücher 2021 wurde zum Anlass genommen, diese einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bisher konnte man die Sammlung nur nach einer speziellen Anmeldung sehen. Das haben in den vergangenen Jahrzehnten viele Einzelpersonen und Gruppen genutzt, wovon ein Gästebuch zeugt. Nach dem Umzug gestaltet sich der Zugang faktisch „barrierefrei“. Anlässlich der normalen Öffnungszeiten des Kulturmarktplatzes wird die Tür zum Schaudepot geöffnet sein. Besucherinnen und Besucher können, nur durch ein Scheibe getrennt, ganz nahe an den Schatz herantreten. Auf einem Bildschirm sind in Dauerschleife Abbildungen zu sehen und Erläuterungen zu lesen, die Inhalt und Bedeutung erschließen.

Auf einem Faltblatt sind fünf QR-Codes abgedruckt, die mit dem Smartphone angesteuert werden können. Dahinter verbergen sich lebendig gestaltete Szenen, die Zuhörende in die Zeit der Reformation versetzen und zu einem vertieften Verständnis des Schicksals dieser sehr besonderen Bibliothek verhelfen. Wer mehr wissen will, greift zu dem 2017 erschienenen Band „Marktkirchen-Bibliothek Goslar. Beiträge zur Erforschung der reformationszeitlichen Sammlung“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Goslarer „Dom“ soll auferstehen…

Samstag, 1. Juni 2019

Kirchliche Sorgen um den Domplatz

Auferstandener Dom beim Welterbetag 2007: Die Idee stammte von Thomas Moritz. Das Bild zeigt das gerade beendete „Memorial“ für den Goslarer Dom, aufgeführt von Jugendlichen der Stephani-Gemeinde unter Leitung von Imogen Liersch.                                                                                      Archivfoto: Moritz

 

Bitte nicht mit Bäumen und Büschen, sondern mit Steinen die Umrisse der früheren Bauten andeuten. Und eher eine Fläche für Fußgänger als eine Gartenanlage schaffen. Helmut Liersch und Günter Piegsa sprechen aus, was sie umtreibt. Mit großer Sorge haben sich der frühere Propst und der Vertreter der katholischen Kirche in der Pfalzquartier-Lenkungsgruppe jetzt zu den Planungen für den Domplatz zu Wort gemeldet.

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Landesbischof Gerhard Heintze

Helmut Liersch

Biographische und theologische Schnittstellen

Jedes Mal, wenn ich von Goslar über Wehre nach Braunschweig fahre, kommt er mir in den Sinn. In dem kleinen Vorharz-Dorf wurde er vor 100 Jahren geboren, lebte dort bis 1917: Gerhard Heintze. Mir steht jener äußerlich fast bieder daher kommende Mann vor Augen, der im Umgang auf mich als Teil der 68-Generation etwas altbacken und in seiner Sprache umständlich wirkte: „Landesbischof Gerhard Heintze“ weiterlesen